Philosophischer Unfug (Typ "Pseudo-Intellektueller Guru") und Fokus auf die "Post-Mittagsschlaf-Erleuchtung"


Es gibt eine ganz bestimmte Art von kosmischem Delirium, die man nur erlebt, wenn man exakt 47 Minuten zu lang am Nachmittag geschlafen hat. Ich wache also auf, das Gesicht ist von einer Kissenfalte dauerhaft deformiert, ich weiß weder das aktuelle Jahr noch meinen eigenen Namen – und genau in diesem Zustand der totalen, ungefilterten Desorientierung schießt mir dieser eine, bahnbrechende Satz in den Kopf: Das Gras wachsen hören und warum der Rasenmäher alles nur noch schlimmer macht (weiss der Geier warum). Ich denke also im Halbbewusstsein darüber nach und stelle fest: das ist kein wirrer Traum, sondern ein zen-buddhistisches Koan, die wichtigste soziokulturelle Analyse unserer Zeit:) Man möge das Ganze hier natürlich betrachten als humoristische Glosse oder Feuilleton-Humor.
Wenn wir die Metaphorik des „Gras-wachsen-Hörens“ sezieren, stoßen wir auf das Urbedürfnis nach Verbundenheit, sakraler Stille und kosmischem Sein. Und was machen wir modernen Menschen? Wir rollen jeden Samstag pünktlich um 12:05 Uhr mit einem 98-Dezibel-Benzinrasenmäher an und häckseln dieses zarte Flüstern des Universums gnadenlos in mikroskopisch kleine Stücke. Der Rasenmäher ist die stählerne Manifestation des menschlichen Egos, ein lauter, stinkender Terroranschlag auf unsere innere Mitte.
In der dialektischen Betrachtung dieses Konflikts wird schnell klar, dass der Rasenmäher uns in eine tiefe spirituelle Krise stürzt und die Sache eigentlich nur verschlimmert. Gras ist der perfekte Lehrer: Es leistet keinen Widerstand, es wächst in stoischer Ruhe vor sich hin, meditiert und strebt einfach sanft dem Licht entgegen. Doch der ungeduldige Tyrann in uns erträgt kein unkontrolliertes Wachstum. Wir brauchen die Illusion von Fortschritt. Also hinterlassen wir ein traumatisiertes Schlachtfeld, das im Anschluss zwar herrlich nach „frisch gemähtem Gras“ riecht – aber machen wir uns nichts vor: Biologisch betrachtet ist dieser Duft nichts anderes als der chemische Todeskampfschrei einer massakrierten Pflanzengemeinschaft, den wir Sadisten im Vorbeigehen auch noch tief einatmen und als „erfrischend“ empfinden.
Zudem zwingt uns die Maschine in eine ewige Sisyphus-Hölle: Kaum hat man das Benzinmonster zurückgelassen, schiebt der erste Halm schon wieder frech den Kopf aus der Erde, blickt uns ausdruckslos an und signalisiert: „Nächsten Samstag bin ich wieder ganz da.“
Der Mäher löst kein Problem, er schafft eine manische Schleife der Frustration im Namen einer bürgerlichen Vorgarten-Ästhetik.
Die Lebensweisheit, die sich aus dieser Symbiose von Traum und Wirklichkeit ergibt, ist eine Einladung zur radikalen Verweigerung. Wir müssen den inneren Rasenmäher ausschalten. Wir sind so darauf konditioniert, jede freie Minute, jede kreative Phase und jeden Moment der inneren Einkehr sofort wieder kurzzuschneiden, weil wir Angst vor der Wildnis in uns selbst haben. Wir optimieren uns zu Tode, bis unsere Seele aussieht wie die Grünfläche vor einer Versicherungskonzern-Zentrale.
Die wahre Erleuchtung liegt jedoch im Liegenbleiben. Leg dich ins hohe Gras, schließ die Augen und hör einfach mal hin. Das Einzige, was dort draußen wirklich gestutzt gehört, ist der Drang, ständig alles kontrollieren zu wollen. Das Gras weiß, was es tut. Wir sollten es auch wissen. Vielleicht erreicht dieser Blog auch meine Nachbarn :)
So, also was mich betrifft, ich habe herrlich gelacht und vielleicht kann es ja der eine oder andere Leser ebenso :)
Vielen Dank, dass Du meinen Blog gelesen hast. Schenke mir doch gern ein Herzchen dafür. Wurde ich doch kürzlichst darauf angesprochen: sag mal Anja, warum lassen die Menschen denn kein Herzchen da, wenn ihnen der Blog gefällt? Manche tun es ja, aber viele nicht. Diese Frage konnte ich nicht beantworten und gebe das mal so weiter an die wunderbaren Leser. Wer möchte, kann mir auch ein gewünschtes Thema mitteilen und ich werde meine Inspiration dann mal fliessen lassen, denn mir macht das wirklich Freude.



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